Warum die Nachfolge so früh anfängt
Wer den Betrieb in zwei Jahren übergeben will, kann noch aufräumen. Wer zehn Jahre Zeit hat, kann den Betrieb übergabefähig machen – und das ist ein Unterschied ums Ganze. Übergabefähig heißt: Der Betrieb hängt nicht an einer Person, die Zahlen sind belastbar, die Verträge sind übertragbar, das Betriebsgrundstück ist geklärt und die zweite Führungsebene existiert nicht nur auf dem Organigramm.
Jeder dieser Punkte braucht Jahre, nicht Monate. Und jeder wirkt sich unmittelbar auf den Preis aus, den ein Käufer zahlt, oder auf die Frage, ob ein Nachfolger die Übernahme überhaupt finanziert bekommt.
Familienintern: die anspruchsvollere Variante
Die Übergabe an die eigenen Kinder gilt als der schöne Fall. In der Praxis ist sie die schwierigere, weil zwei Systeme aufeinandertreffen, die nach unterschiedlichen Regeln funktionieren: In der Familie zählt Gleichbehandlung, im Unternehmen zählt Eignung. Ein Betrieb lässt sich nicht in drei gleiche Teile schneiden, ohne dass er aufhört zu funktionieren.
Daraus folgen die Fragen, die geklärt sein müssen, bevor über Verträge geredet wird: Wer führt? Wer hält Anteile, ohne zu führen? Wie werden die Geschwister ausgeglichen – aus dem Privatvermögen, über eine Immobilie, über eine Rente aus dem Betrieb? Und was passiert, wenn die Ehe des Nachfolgers scheitert?
Diese Gespräche brauchen jemanden, der nicht zur Familie gehört und trotzdem alle Beteiligten hört – auch den Seniorchef, für den das Loslassen die eigentliche Zumutung ist. Die vertragliche und steuerliche Umsetzung übernehmen anschließend die Fachleute aus dem Netzwerk.
Verkauf oder Beteiligung, wenn es familienintern nicht geht
In vielen mittelständischen Betrieben gibt es keinen Nachfolger in der Familie. Das ist kein Scheitern, sondern inzwischen der Normalfall – und es gibt mehr Wege als den Verkauf an den Wettbewerber: Übernahme durch die eigene Führungsmannschaft, Beteiligung eines strategischen Partners, schrittweiser Ausstieg über mehrere Jahre.
Welcher Weg passt, hängt weniger vom Preis ab als von der Frage, was mit dem Betrieb und der Mannschaft geschehen soll. Für viele Inhaber ist das am Ende das entscheidende Kriterium, auch wenn das Gespräch mit einer Zahl beginnt.
Die private Seite: Vermögen, Vorsorge, Notfall
Bei Unternehmern steckt das Vermögen im Betrieb. Über Jahrzehnte war das die richtige Entscheidung – jeder reinvestierte Euro hat mehr gebracht als jede Anlage. Es führt nur dazu, dass Altersvorsorge und Familienabsicherung an einem einzigen Wert hängen, der sich schlecht teilen und schwer verkaufen lässt.
Die Arbeit besteht darin, betriebliches und privates Vermögen sauber zu trennen, einen Teil außerhalb des Betriebs aufzubauen und die Familie für den Fall abzusichern, dass etwas passiert. Dazu gehört die unbequeme Frage, was am Montag geschieht, wenn der Inhaber am Wochenende ausfällt: Wer hat Vollmacht, wer kommt an die Konten, wer kennt die Zugänge, wer spricht mit Bank und Belegschaft?
- Vermögen außerhalb des Betriebsvermögens aufbauen
- Betriebliche und private Haftung sauber trennen
- Vorsorgevollmacht, Testament und Gesellschaftsvertrag aufeinander abstimmen
- Notfallakte: Vollmachten, Zugänge, Ansprechpartner – an einem Ort